


UNTIL WE ARE ALL FREE
Ein performativer Parcours durch das Gefängnis
Sieben Stationen, sieben Künstler*innen, sieben Performances. In kleinen Gruppen führt der Parcours das Publikum von Zelle zu Zelle. Wo Menschen sonst isoliert hinter verschlossenen Türen sitzen, findet direkte Begegnung statt. Der Mikrokosmos Zelle wird durch die künstlerischen Arbeiten zum Ausgangspunkt des gemeinsamen Denkens über Gerechtigkeit. Es bleibt die Frage nach der Utopie: Wie sieht eine Zukunft aus, in der alle frei sind? Der Parcours bietet eine einzigartige Gelegenheit, die JVA Rennelberg in sonst verschlossenen Teilen des Geländes zu erkunden.
Mit: cindy+cate, Mohammad Al Attar, Mark Teh & Faiq Syazwan Kuhiri, Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen, Simonida Selimović, Syamara Williams & CHIMI
cindy+cate ist ein achtköpfiges Performancekollektiv aus Braunschweig und Köln. Seit 2020 verhandeln und hinterfragen sie in ihren Arbeiten Gesellschaft und ihre Strukturen, und sehen im Kunstschaffen und Konzipieren von Performances auch eine Möglichkeit der politischen Arbeit. cindy+cate setzt sich zusammen aus Theatervermittler*innen, Tänzer*innen, Performer*innen und Kulturschaffenden und arbeitet kollektiv in der freien Theaterszene Niedersachsens.
Mohammad Al Attar ist ein syrischer Dramatiker, Theatermacher und Essayist. Seine Arbeit bewegt sich an der Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation, wurde in mehrere Sprachen übersetzt und an verschiedenen internationalen Theatern und Festivals aufgeführt. Er zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Theaterautor*innen der arabischen Welt. Seine Werke beschäftigen sich häufig mit gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in Syrien sowie mit Fragen von Erinnerung, Identität und Exil. Heute lebt er in Berlin und gilt als wichtiger Chronist des vom Krieg gezeichneten Syriens.
Mark Teh ist Performancekünstler, Forscher und Kurator aus Malaysia. Seine vielfältigen, kollaborativen Projekte nehmen dokumentarische, spekulative und generative Formen an und befassen sich mit den Themen und Verflechtungen von Geschichte, Erinnerung, Gegenkartografie und Politik. Seine künstlerische Praxis ist vor allem im Bereich der Performance verortet, umfasst aber auch Ausstellungen, Bildungsarbeit, soziale Interventionen, schriftstellerische Tätigkeiten und kuratorische Projekte. Er absolvierte einen Masterstudiengang in Kunst und Politik am Goldsmiths, University of London und gehörte 2024 zu den ersten Preisträgern des Prince Claus–British Council Fellows Award for Moving Narratives.
Faiq Syazwan Kuhiri ist Performer, Musiker und Produzent für digitale Medien. Mit dem Five Arts Centre wirkte er in Projekten wie Something I Wrote, 2-minute solos – art meets politics, Baling, Version 2020, A Notional History und Oppy & Professor Communitas sowie in der B.E.D.-Reihe von Lee Ren Xin mit. Darüber hinaus komponiert und produziert Faiq eigene Musik mit den Rockbands Terrer und Sandy Eye.
Faiq und Mark sind Mitglieder des Five Arts Centre, eines Kollektivs malaysischer Künstler*innen, Aktivist*innen und Produzent*innen, das sich der Entwicklung alternativer Kunstformen und Bildwelten in der zeitgenössischen Kunstlandschaft widmet.
Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen ist ein stabiles Netzwerk netter Leute mit außerordentlichen Kompetenzen in ihren Gewerken. Sie haben sich auf liebevolles Recherchetheater spezialisiert und verbinden Vergangenes mit Gegenwärtigem für Zukünftiges.
Simonida Selimović ist eine in Wien lebende Schauspielerin, Regisseurin und Autorin mit Roma-Herkunft. Sie ist bekannt für ihre Arbeit in der österreichischen Theater- und Kulturszene, insbesondere für Projekte, die sich mit den Themen Migration, Identität und Diskriminierung auseinandersetzen. Ihre künstlerische Arbeit zeichnet sich durch ihre Bemühungen aus, marginalisierte Stimmen hörbar zu machen und das Bewusstsein für die Lebensrealitäten der Roma-Community zu schärfen. Für UNTIL WE ARE ALL FREE arbeitet sie mit dem Schauspieler Adrian Selimović zusammen.
Symara Sarai lebt in Brooklyn. Ihre choreografische Praxis setzt sich mithilfe von Bewegung, Klang und Recherche mit den vielschichtigen Dimensionen ihrer persönlichen und kulturellen Geschichte auseinander. Gegenwärtig interessiert sich Symara dafür, innerhalb klassischer Bühnenräume eigene Welten zu erschaffen, die Raum für ein anarchisches Spiel queerer Schwarze Femmes bieten. Aktuell beschäftigt sie sich mit der Frage, wie der Schwarze femme Körper zu authentischer Befreiung und Autonomie gelangen kann. Sie wurde von Dance Magazine u.a. als eine der „Top 25 to Watch 2025“ ausgezeichnet. Für UNTIL WE ARE ALL FREE arbeitet sie mit CHIMI zusammen.
CHIMI ist eine nigerianische interdisziplinäre Künstlerin, die an den Schnittstellen von Klang, Performance und visueller Kunst arbeitet. Verwurzelt in der Gospelmusik und gestützt auf mehr als ein Jahrzehnt kollaborativer Praxis erforscht ihre Arbeit Schwarze femme Traditionen, überliefertes Wissen der Vorfahren, spirituelle Fragestellungen und kollektive Heilungsprozesse. Im Jahr 2024 wurde sie zum Premiere Fellow am Cleveland Public Theater ernannt; zuletzt war sie ECHO Artist in Residence bei der SPACES. Ganz im Sinne ihres interdisziplinären Ansatzes beschreitet CHIMI einen künstlerischen Weg, der keine Grenzen kennt.
Angaben zur Produktion
Mit: cindy+cate, Mohammad Al Attar, Mark Teh & Faiq Syazwan Kuhiri, Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen, Simonida Selimović, Syamara Williams & CHIMI, Fotos: Anton Vichrov